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Ausbildungsunterhalt II

Judith Weidemann

Nachdem an dieser Stelle zuletzt über die allgemeinen Voraussetzungen des Anspruchs auf Ausbildungsunterhalt informiert wurde, soll nun der Unterhaltsanspruch bei einer Verzögerung der Ausbildung erörtert werden.

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat in einer Entscheidung vom 08.03.2010 (OLG Hamburg – 10 UF 56/09 -) einer jungen Frau einen weiteren Anspruch auf Ausbildungsunterhalt zugebilligt, obwohl sie die Ausbildung für einen Zeitraum von 3 Jahren unterbrochen hatte.

Die 23-jährige Klägerin verlangte von ihrem Vater Ausbildungsunterhalt. Sie hatte bereits im Jahr 2005 eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten begonnen, wurde aber während der Probezeit wegen erheblicher Fehlzeiten gekündigt. In der Folgezeit hat sie in diesem Ausbildungsbetrieb aber bis Juli 2008 gejobbt. Im August 2008 hat sie dort eine neue Ausbildung begonnen. Im Hinblick auf die Kündigung des Ausbildungsverhältnisses im Jahr 2005 hat sie vorgetragen, dass sie sehr unter der damaligen Trennung ihrer Eltern gelitten und Schwierigkeiten gehabt habe, in ein geregeltes Alltagsleben zu finden.

Das OLG gab der Klägerin Recht, verpflichtete also den Vater, Unterhalt zu zahlen. Es führte hierzu aus, dass die Ausbildung grundsätzlich zügig und zielstrebig zu absolvieren sei, die Eltern jedoch leichtere Verzögerungen oder ein zeitweiliges Versagen hinnehmen müssten. Vorliegend sei zwar eine Verzögerung von mehr als 3 Jahren gegeben. Jedoch habe die Klägerin inzwischen Zielstrebigkeit gezeigt, indem sie in ihrem alten Ausbildungsbetrieb eine ungelernte Tätigkeit ausgeübt und sich so eine neue Chance auf eine Ausbildung erarbeitet habe.

Zudem sei nach Ansicht des OLG auch zu berücksichtigen, dass die Trennung der Eltern zumindest mitursächlich für die Verzögerung war. Weiterhin habe der Vater während der ersten Ausbildung keinen Unterhalt gezahlt.

Verfasserin des Artikels ist Rechtsanwältin Judith Weidemann, zugleich Fachanwältin für Familienrecht

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