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Anordnung des Wechselmodells

Judith Weidemann

Nur ein geringer Anteil der Trennungs- und Scheidungskinder in Deutschland lebt in dem so genannten Wechsel- oder Doppelresidenzmodell. Diese paritätische Ausgestaltung des Aufenthalts und Umgangs von Trennungskindern gilt zwar als wünschenswert, kann aber auch sehr problematisch sein.

Hauptkritikpunkt ist vor allem die Tatsache, dass das Kind durch den ständigen Aufenthaltswechsel seine Lebensverhältnisse nicht ausreichend gestalten kann und ihm insoweit eine feste Orientierung fehlt – es nicht weiß, wo sein Zuhause ist. Auch ein unterschiedlicher Erziehungsstil der Eltern kann zu Irritationen beim Kind führen. Hinzu kommt, dass die Eltern aufgrund des häufigen Aufenthaltswechsels gezwungen sind, viel miteinander abzusprechen und sich häufig zu sehen, was gerade in der Zeit kurz nach der Trennung oftmals schwierig für sie ist. Das Wechselmodell fordert den Eltern ein sehr hohes Maß an Kooperations-, Kommunikations- und Kompromissbereitschaft ab.

Für das Wechselmodell spricht allerdings, dass das Kind die Bindung zu beiden Elternteilen gleichermaßen aufrechterhalten und bei jedem Elternteil Alltag und Freizeit erleben kann. Dies dürfte dem Wohl des Kindes regelmäßig am besten entsprechen. Bei der Anordnung des Wechselmodells gegen den Willen eines Elternteils sind viele Familiengerichte sehr zurückhaltend. Entscheidend ist aber allein, ob die Handhabung des Aufenthalts und Umgangs des Kindes mit den Eltern in dieser Form, dem Wohl des Kindes entspricht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Kind zu beiden Eltern gleichstarke Bindungen hat.

In einem solchen Fall hat das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg in seinem Beschluss vom 26.08.2013 – 158 F 15140/13 – gegen den Willen der Kindesmutter das Wechselmodell angeordnet. Diese Anordnung hat das Gericht bereits im Verfahren über eine einstweilige Anordnung getroffen. Es begründete seine Entscheidung u. a. damit, dass erst im Hauptsacheverfahren durch Sachverständigengutachten endgültig geklärt werden könne, welche Umgangsregelung für das Kind am besten sei und es sachgerecht sei, bis dahin den Umgang des Kindes im wöchentlichen Wechsel festzulegen.

Verfasserin des Artikels ist Rechtsanwältin Judith Weidemann, zugleich Fachanwältin für Familienrecht